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Cem Özdemir:  Radfahren gehört in der Schule dazu
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AKTIONfahrRAD ist eine Initiative, die gemeinsam mit Partnern AKTIONEN entwickelt, um junge Menschen nachhaltig aufs Rad zu setzen, sie fördert den Nachwuchs, stellt Schulen Räder zur Verfügung, engagiert sich für Schul- und Hochschulprojekte und unterstützt bundesweit die Aus- und Weiterbildung von Lehrer/innen, damit das Radfahren attraktiver und sicherer wird.

https://www.aktionfahrrad.de

Meldung vom: 22.01.2019
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Cem Özdemir: Radfahren gehört in der Schule dazu

Interview mit dem Schirmherrn der AKTIONfahrRAD

Cem Özdemir ist Vorsitzender des Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags und Schirmherr der gemeinnützigen Initiative AKTIONfahrRAD. Im Interview mit AKTIONfahrRAD betont er, dass Radfahren Selbstvertrauen und Unabhängigkeit für Kinder bedeutet. Radfahren ist für ihn eine Kulturtechnik.

AFR: Herr Özdemir, zunächst möchten wir uns nochmals bei Ihnen für die Übernahme der Schirmherrschaft bei AKTIONfahrRAD bedanken. Was hat Sie dazu bewogen?

Özdemir: Da musste ich nun wirklich nicht lange überlegen. Schließlich fahre ich selbst Rad, wann immer es passt, auch zu Terminen und in den Bundestag. Radfahren ist für mich Lebensqualität, hält fit, macht Spaß und schont ganz nebenbei noch das Klima. Aber völlig klar, sicheres Radfahren will gelernt sein und gehört am besten genauso in die Schule wie Lesen, Schreiben, Rechnen und Schwimmen. Bei uns ist Radfahren eine Kulturtechnik und ich will, dass möglichst jedes Kind die Chance bekommt, diese zu erlernen, unabhängig davon, ob es sie von Zuhause mitbekommen oder nicht. Da leistet die AKTIONfahrRAD einen sehr wichtigen Beitrag. Es ist einfach klasse, was die Aktion zusammen mit engagierten Lehrerinnen und Lehrern z.B. an der Carl-von-Ossiezky-Schule in Berlin-Kreuzberg auf die Beine stellt. Morgens sicher mit dem Fahrrad zur Schule kommen, das gibt Selbstvertrauen für Jungen wie für Mädchen.

 

AFR: Sie sind Vater von zwei Kindern. Wie gehen diese mit dem Rad um?

Özdemir: Die beiden fahren gerne Rad. Nur mit dem Helm, da tut sich meine Tochter noch schwer. Übrigens ein Grund mehr, warum ich demonstrativ Helm trage. Leider ist das Radfahren in einer Großstadt nicht immer ohne Gefahren. Zum Glück tut sich da auf kommunaler Ebene und in einigen Bundesländern gerade viel. Da denke ich zum Beispiel an das Mobilitätsgesetz in Berlin oder an mein Bundesland Baden-Württemberg, das bis 2025 zehn Radschnellwege baut. Nur in der Bundespolitik lässt gute Radpolitik immer noch auf sich warten. Von den Investitionen im Verkehrsbereich ist im nächsten Jahr nicht einmal ein Prozent für das Fahrrad vorgesehen. Da wünsche ich mir deutlich mehr Engagement.

 

AFR: Als Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestags wirken Sie auf verkehrspolitische Entscheidungen ein. Was ist dort ihre genaue Aufgabe?

Özdemir: Als Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur arbeite ich an zentralen Zukunftsfragen unseres Landes mit. Da geht es zum Beispiel um die ökologische Modernisierung unseres Landes, um schnellen Mobilfunk, Busse und Bahnen auch auf dem Land oder eben um gute Fahrradpolitik. Der Ausschussvorsitz ist gewissermaßen das parlamentarische Gegengewicht zum Verkehrsministerium. Auch wenn ich als Ausschussvorsitzender natürlich zu Neutralität verpflichtet bin, so achte ich doch darauf, dass die Rechte der Abgeordneten und insbesondere der Opposition gewahrt bleiben.

 

AFR: Die zeitnahe digitale Erschließung der Schulen ist ein Muß, ist es nicht aber auch ein Muß, sämtliche Schulen an ein sicheres Radwegenetz anzuschließen?

Özdemir: Das wäre in der Tat sehr wünschenswert. Im Unterschied zum Autoverkehr ist die Zahl der verunglückten Radfahrer in den letzten Jahren nicht zurückgegangen. Das muss sich dringend ändern. Jeder Tote, jeder Verletze ist einer zu viel. Wir brauchen gute und sichere Radwege, aber auch andere Maßnahmen wie Abbiegeassistenten für LKWs oder eine zeitgemäße Straßenverkehrsordnung. Radfahren und zu Fuß gehen muss genauso sicher sein wie das Elterntaxi mit dem SUV.

 

AFR: Ist es auch für Sie wünschenswert, wenn der Radanteil im Sportunterricht oder bei Klassenfahrten wieder mehr an Bedeutung gewinnt?

Özdemir: Absolut! Radfahren bedeutet Selbstvertrauen und Unabhängigkeit für Kinder. Doch „Rauf aufs Rad und los geht’s!“ ist für Kinder heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Zwischen Elterntaxi und Smartphone kommt es gerne mal zu kurz. Deshalb kommt dem Radfahren in die Schule eine umso größere Bedeutung zu. Auch für Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund, die das Radeln vielleicht nicht unbedingt von Haus aus kennen, ist die AKTIONfahrRAD eine klasse Geschichte. Da stehe ich aus voller Überzeugung dahinter.

 

AFR: Herr Özdemir, wir danken für das Gespräch und freuen uns auf viele weitere gemeinsame Rad-AKTIONEN mit Ihnen.

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